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FairPlay? (Brettspiel - Kristina Hafner)

Bei "Ar.Mut begegnen - FairPlay? Nach welchen Regeln wollen wir spielen?" starten bis zu fünf Spieler:innen unter verschiedenen Bedingungen ins Spiel(er)Leben. Im weiteren Verlauf stellen sie sich vielfältigen Herausforderungen und können wirtschaftliche und soziale Wechselwirkungen hautnah erleben.

Das Spiel klärt auf, hinterfragt gängige Vorurteile und lädt zum Nachdenken über Möglichkeiten ein, die Welt gemeinsam gerechter und fairer zu gestalten. Diskussionen sind ausdrücklich erwünscht!

Ein ausführliches Begleitheft ermöglicht es engagierten Pädagog:innen dieses Spiel ab der 9. Schulstufe einzusetzen.

Verfügbar in: Osnabrück

 

 

Bildungsprojekt „arMut begegnen“ der Caritas Socialis

Autorin: Kristina Hafner, kristina.hafner@cs-beratung.wien

 

Armut bedeutet für Betroffene vielfach Verzicht, Stress und Sorgen.

In sozialen Situationen - in der Schule, bei Ämtern und Behörden, im Gesundheitsbereich, erleben sie immer wieder Beschämung. Von vielem sind und bleiben sie ausgeschlossen. Dazu gehören angemessener, bezahlbarer Wohnraum und faire Bildungschancen genauso, wie gesellschaftlicher Einfluss und Mitbestimmung.

Wer schon als Kind arm ist, bleibt dies oft ein Leben lang. Armuts-betroffene werden eher arbeitslos, erkranken früher und werden weniger alt als der Durchschnitt der Bevölkerung (1). In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Arme oft als selbst schuld an ihrer Misere. Selten werden die Bedingungen von einem Leben in Armutslage kritisch beleuchtet. Individuelle Lebensgeschichten, systematische Benachteiligungen und schicksalhafte Wendungen bleiben vielfach unbeachtet.

 

Nur extreme Formen von Armut sind in europäischen Wohlstands-gesellschaften sichtbar.

Doch nicht wenige Menschen – bis zu einem Fünftel der Bevölkerung – leben an oder unter der statistischen Armutsgrenze (2). Sie sind bereits verschuldet oder müssen mit ihrem geringen Einkommen Monat für Monat sehr genau kalkulieren, um über die Runden zu kommen. Urlaube, Regeneration, Sport, Kultur und Feste feiern sind ein Luxus, der nicht leistbar ist.  

Armutsbetroffene verstehen es gut, diesen Umstand zu verstecken. Denn kaum jemand ist freiwillig oder gar gerne arm. Wohlstand bringt Status, Freiheit, Möglichkeiten und Einfluss. Wer das Glück hat in der gesellschaftlichen Rangordnung obenauf zu sein, zeigt das durch mehr oder weniger auffällige Symbole und Gebärden. Doch man vergisst dabei oft, dass Menschen, die Privilegien haben, diese nicht aufgrund ihrer eigenen überdurchschnittlichen Leistung haben. Es sind vielmehr die glücklichen Umstände der sozialen und ökonomischen Herkunft, die früh Möglichkeiten eröffneten und Schwierigkeiten aus dem Weg räumten.

 

CS Bildungsprojekt „arMut begegnen“

Die von der engagierten Sozialreformerin Hildegard Burjan gegründete Caritas Socialis (CS) ist seit jeher um eine Verbesserung der Lebensbedingungen von benachteiligten Menschen bemüht. Das 2020 in Wien ins Leben gerufene Bildungsprojekt „arMut begegnen“ richtet sich an Pädagogen und Pädagoginnen und nimmt die subtilen Beschämungs- und Ausgrenzungsdynamiken in den Blick, denen Kinder aus armutsbetroffenen Familien ausgesetzt sind. Dies beginnt bereits ganz zu Beginn ihrer Bildungslaufbahn in (elementaren) Einrichtungen.

Es braucht Differenz- und Armutssensibilität seitens der Einrichtungen aber auch der pädagogischen Fachkräfte, um Bildungsdefizite betroffener Kinder auszugleichen und diese entsprechend zu fördern. Im Bereich der frühen Bildung werden entscheidende Weichen gestellt und so gibt es gerade dort ein großes Potential, die Situation für betroffene Kinder und Familien zu verbessern und soziale Teilhabe zu ermöglichen.

Verbesserungsmöglichkeiten liegen beispielsweise bei sprachlichen Zugangserleichterungen wie Übersetzungen oder der Verwendung der leichten Sprache für Informationsmaterialien. Der Kindergarten-Alltag kann so gestaltet werden, dass keine oder nur geringfügige und im Voraus planbare Kosten anfallen. Ein gut organisierter offener Kleider-, Bücher- oder Spielzeugschrank kann auch unter Nachhaltigkeitsaspekten dazu beitragen, dass alle Kinder die passende Ausrüstung haben. Dies und viele weitere Ideen und konkrete Umsetzungsvorschläge werden in den Workshops des CS-Projektes arMut begegnen behandelt.

Um die unterschiedlichen Herkunftsbedingungen und ihre Auswirkungen auf Kinder deutlich zu machen, entstand das Brettspiel „Fairplay? Nach welchen Regeln wollen wir spielen?“. Es ist ein Spiel mit absichtlich unfairen Startbedingungen, das idealerweise von 4-5 Personen ab ca. 14 Jahren gespielt werden kann. Es bereitet das komplexe Thema Armut leicht nachvollziehbar auf und ermöglicht ein direktes Erleben und Hineinversetzen in die eben geschilderten Situationen. Es eignet sich gut für den Einsatz im Rahmen von Jugendgruppen und Teams im sozialen oder pädagogischen Kontext.

Das Spiel „Fairplay? Nach welchen Regeln wollen wir spielen?“ kann über den Webshop der Caritas Socialis erworben werden: https://www.cs.at/fairplay

 

Stimmen zum Spiel:

Es war schon ein Augenöffner, wie dicht auf dicht auch unglückliche Umstände aufeinander treffen können. Niemand war vor einem Schicksalsschlag gefeit und zwei aus unserer Runde hat es auch tatsächlich getroffen, sie mussten wieder ganz hinten anfangen.“ A, 49 J.

„Ich musste dabei ständig an meine Oma denken, sie ist mit zwei kleinen Kindern, eine davon meine Mama, als junge Frau nach Deutschland gekommen, hat die Sprache nicht gesprochen und sich dann ganz alleine durchgeschlagen. Sie hat es wirklich schwer gehabt und lebt jetzt von ganz wenig Pension.“ Julia, 21 J.

 

Die Rolle in die ich geschlüpft bin, war mir zuerst fremd und nicht ganz schlüssig. Doch nach und nach hab ich ein klareres Bild bekommen. Es ist lebendig geworden. Ich hab eigentlich Glück gehabt und bin gut durchgekommen.“ Danilo 28 J.

 

Ich finde es großartig, dass Sie so ein gutes Spiel entwickelt haben, dass einen bewusster nachvollziehen lässt, wie es im Leben zugeht. Wir werden dieses Spiel einsetzen bei den Seminaren mit den jungen Leuten, die sich auf ein ein MaZ-Jahr (Missionar auf Zeit) hier bei uns im MSC-Welthaus vorbereiten.“ Sr. Barbara, MSC Welthaus, Münster

 

Beim Feld ‚Schicksalsschlag‘ stürzt die Spielfigur in den Minusbereich ab. Wie gehe ich/gehen wir mit einem plötzlichen Abstieg um? Und wenn andere abstürzen – was entsteht da in mir: Schadenfreude oder Mitgefühl?“ Christoph

 

 

Hier geht es zum "Kontaktseminar Option für die Armen" an der katho in Münster vom 6. Februar, bei dem das Spiel ausprobiert wurde. 

Bildrechte und Bildgenehmigung: „Tafferner/katho Münster“ und "Caritas Socialis"

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